Frau Müller erläutert kurz die Mitteilungsvorlage.

 

Frau Schulz hat festgestellt, dass man oft nicht nachvollziehen kann, wonach der Bedarf für die einzelnen Familien festgelegt wird. Zwischen Auslaufen einer Hilfe und Beginn der evtl. nächsten Hilfe vergeht oft sehr viel Zeit.

 

Frau Müller: Das richtet sich immer nach dem konkreten Einzelfall. Es kann sein, dass Familienhilfe auch mal nicht geleistet wird. Es ist und bleibt eine freiwillige Sache, ob Eltern eine Leistung der Jugendhilfe in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Wir wissen manchmal auch, dass Bedarfe vorhanden sind, aber es besteht keine Pflicht, dass die Familien die angebotene Hilfe annehmen müssen.

 

Frau Schulz: Wonach wird festgelegt, wieviel Hilfe für die Familie genehmigt wird?

 

Frau Müller: Der konkrete Hilfeumfang richtet sich nach dem Bedarf des Einzelfalles. Die bewilligten Stundenzahlen können sich zwischen 8 Stunden im Monat und 24 Stunden pro Woche bewegen – das wird ganz individuell entschieden. Man kann die Stunden aufstocken oder auch absenken.

 

Frau Schulz: Wurde schon mal darüber nachgedacht, die Familienhelfer wechseln zu lassen?

 

Frau Müller: Diese Arbeit ist Beziehungsarbeit und deshalb werden regelhaft Helferwechsel nicht vorgesehen;  gleichzeitig muss der Helfer muss in der Lage sein, eine professionelle Distanz zu wahren. Ziel ist es, in der Hilfe  immer ein Vertrauensverhältnis zwischen Helfer und Familie aufzubauen. Dem würde ein Helferwechsel entgegenstehen.

 

Frau Grams: Viele Hilfen wurden abgebrochen, weil es nicht die geeignete Hilfeform war. Viele Betroffene sagen, naja, die Helferin weiß nicht, was sie hier soll, wir machen den Papierkram zusammen, dann trinken wir noch einen Kaffee und das wars. Input für Kinder passiert da oft nicht. Das finde ich schade.

 

Frau Müller würde diesen Aussagen der Betroffenen so nicht unbedingt Glauben schenken wollen. Meine Kollegen installieren nicht leichtfertig eine Hilfe in den Familien – die Bedarfe sind vorhanden. Vielmehr erscheinen solche Aussagen eher Ausdruck eines nicht ausgereiften Problembewusstseins der Betroffenen.

 

Frau Schmidt möchte den geäußerten Vorwurf nicht so stehen lassen. Es gibt AoF, FoH und familienbegleitenden Dienst. Vieles hat natürlich etwas mit Anträgen stellen zu tun. Man muss sortieren, um welche Hilfeform es sich handelt. Wenn in der Hilfeform etwas nicht in Ordnung ist, wird über Supervision geguckt, ob und was geändert werden muss. Es gibt immer eine Kennenlernphase, eine Arbeitsphase und eine Ablösephase und da steckt immer viel mehr dahinter als nur Kaffeetrinken. Und es ist sehr schwer, acht oder neun Familien pro Woche zu betreuen – da muss die Psyche des Sozialarbeiters schon mitspielen.

 

Herr Mettner: Der Bedarf wird also beim Jugendamt festgestellt und dann wird die entsprechende Stundenzahl festgelegt und der entsprechende Träger beauftragt?

 

Frau Müller: Das ist korrekt.

 

Herr Mettner: Wie kommt die Familie zu diesem Hilfeantrag?

 

Frau Müller: Erstens: Die Personensorgeberechtigten stellen einen Antrag auf Jugendhilfe bzw. signalisieren Hilfebedarf.  Zweitens: Denkbar ist auch der Kontakt zu den Personensorgeberechtigten im Rahmen einer Gefährdungsmeldung und einer daraus resultierenden Antragstellung.. Das sind die beiden Hauptwege.

 

Frau Matzat: Wer entscheidet, welcher Träger welche Aufgabe erfüllt?

 

Frau Müller: Die Entscheidung trifft das Jugendamt – unter Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechts. Um die Leistungen für die Klienten umzusetzen, hat das Jugendamt mit freien Trägern sogenannte Leistungsverträge abgeschlossen. Der Einsatz ist je nach Leistung auch regional verortet.

 

Frau Doreen Müller: Wie teilt sich das prozentual zwischen Stendal und Landgemeinden auf?

 

Frau Müller: Das lässt sich so nicht sagen. Größere Träger arbeiten überall im Landkreis, die haben mehr Familienhelfer zur Verfügung.

 

Die Mitteilungsvorlage Nr. 410/2021 wird zu Kenntnis genommen.