Inhalt der Mitteilung:
Einleitende Bemerkungen
Mit Beschluss vom 09.06.2016 (DS 260/2016) hat der Kreistag den Weg für die Durchführung des Projektes >Hausbesuchsdienst „Willkommen im Landkreis Stendal“< ( im folgenden „Willkommensbesuchsdienst “ genannt) frei gemacht.
Damit verbunden ist die Vorgabe, dem Jugendhilfeausschuss sowie dem Kreistag in der Projektlaufzeit 2 mal einen Zwischenbericht zu geben.
Zum Projektziel- und Konzept wird auf die DS 260/2016 verwiesen.
Die Laufzeit des Projektes ist im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel vorerst bis 08/2019 kalkuliert.
Zwischenbericht zum Stand 01.12.2017
Die vorgesehene Stelle des Willkommensbesuchsdienstes wurde zum 01.12.2016 besetzt. Die fachliche Qualifikation der Stelleninhaberin ist Gesundheitskinderkrankenpflegerin mit der Zusatzausausbildung „Familien-,Gesundheitskinderkrankenpflegerin“.
Diese Zusatzausbildung orientiert sich an den Kompetenzprofilen für Familienhebammen und Familiengesundheitspflegerinnen und entspricht den Vorgaben des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen. Auf Basis des Konzeptes des Dienstes hat sich der Landkreis bewusst dafür entschieden, die Besetzung möglichst mit einem solchen Ausbildungshintergrund vorzunehmen.
Die umfassende konzeptionelle und sächliche Projektvorbereitung (Elternbuch, Willkommensgeschenk*) erfolgte bereits seit Kreistagsbeschluss durch die Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen & Kinderschutz des Jugendamtes, so dass nach einer kurzen inhaltlichen Einarbeitung der Willkommensbesuchsdienst seine Arbeit mit den Hausbesuchen ab Januar 2017 unmittelbar aufnehmen konnte.
Intern wurde entschieden, in das Hausbesuchsangebot die Geburten ab August 2016 einzubeziehen und den Zeitraum August bis November 2016 nachzuarbeiten.
Grundsätzlich wird angestrebt den Hausbesuch in zeitlicher Nähe zur Geburt, also etwa in einem Zeitfenster von 6-10 Wochen (+/-) nach der Geburt zu realisieren.
Der Willkommensbesuch ist ein Angebot des Landkreises Stendal an Eltern Neugeborener. Seine Inanspruchnahme durch die Eltern ist und bleibt in jedem Fall freiwillig.
Der Start des Willkommensbesuchsdienstes wurde durch den Landkreis mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit begleitet (Pressegespräch, Internetseite des Landkreises/ bzw. Kinderschutzseite des Landkreises, Information der Netzwerkpartner in den verschiedenen Hilfesystemen; Möglichkeit für die Presse einen Hausbesuch zu begleiten).
Für den Zeitraum von August 2016 bis
September 2017 wurden dem Jugendamt 612
Geburtenmeldungen von den Standesämtern (vornehmlich Stendal) übermittelt. Diese
Geburtenmeldungen betreffen ausschließlich unverheiratete Eltern. Hinzu kamen
28 Selbstmeldungen von verheirateten Eltern, die signalisiert haben, das
Angebot annehmen zu wollen.
Die Eltern erhalten daraufhin ein Schreiben
des Willkommensbesuchsdienstes- verbunden mit einem Terminvorschlag für den
Hausbesuch. Sie haben damit auch die Möglichkeit, den Termin abzusagen oder zu
verschieben.
Von den 640 angeschriebenen Eltern haben 479
Eltern das Angebot angenommen. 39 Familien haben den Willkommensbesuchsdienst
direkt schriftlich per E-Mail oder telefonisch abgesagt.
Damit wurde – bezogenen auf die einbezogenen
Eltern – für die ersten 13 Monate Projektlaufzeit eine Inanspruchnahme von rd. 75 Prozent
erreicht. Ausgehend von den dokumentierten Erfahrungen vergleichbarer
Projekte ist dieser Wert für das
Startjahr ein sehr guter Wert. Er lässt
erwarten, dass es grundsätzlich realistisch erscheint, die konzeptionelle
Zielgröße von bis zu 94 % mittelfristig erreichen zu können.
Die restlichen 122 Familien wurden mit dem
Angebot nicht erreicht, weil z.B.
·
kurz
nach der Geburt verzogen,
·
Krankenhausaufenthalt
·
passiv
abgelehnt durch Nichtöffnen der Tür
·
keine
Antwort auf weitere Terminvorschläge (z.B. bei E-Mail-Kontakt).
Statistik Willkommensbesuchsdienst, Stand 01.12.2017
|
Geburtsmeldungen nach
Monaten |
angeschriebene Familien |
tatsächlich
besuchte Familien |
in
Prozent |
|
|
|
|
|
|
2016 |
|
|
|
|
August |
40 |
34 |
85,00 |
|
September |
53 |
37 |
69,81 |
|
Oktober |
52 |
41 |
78,85 |
|
November
|
38 |
26 |
68,42 |
|
Dezember |
38 |
28 |
73,68 |
|
2017 |
|
|
|
|
Januar |
46 |
36 |
78,26 |
|
Februar |
37 |
26 |
70,27 |
|
März |
59 |
43 |
72,88 |
|
April |
43 |
33 |
76,74 |
|
Mai |
46 |
33 |
71,74 |
|
Juni |
54 |
45 |
83,33 |
|
Juli |
50 |
38 |
76,00 |
|
August |
41 |
26 |
63,41 |
|
September |
43 |
33 |
76,74 |
|
Summe
|
640 |
479 |
74,84 (Durchschnitt) |
Bei den Besuchen sind meistens die Mütter mit
ihren Babys anwesend. Väter nehmen eher selten an den Willkommensgesprächen
teil. Zu Beginn der Gespräche zeigen sich einige Eltern kurzzeitig distanziert.
Nach ca. 15 Minuten ist jedoch oft das „Eis gebrochen“ und Eltern stellen
Fragen oder erzählen auch, wie es ihnen geht.
Die Besuche dauern zwischen 30 und 60
Minuten. In den ersten 30 Minuten wird das Willkommensgeschenk vorgestellt. Schwerpunkt
wird dabei auf das Elternbuch gelegt. Mit den Eltern wird das Elternbuch Seite
für Seite durchgegangen, so dass sie umfangreiche Informationen bekommen, welche
Unterstützungsmöglichkeiten sie im Bedarfsfall nutzen könnten. Das neue
Elternbuch, welches seit Beginn des Besuchsdienstes in einem neuen Layout
erschienen ist, wird durch die Eltern sehr gelobt. Sie bestätigen, dass viele
Informationen aus dem Buch wichtig und oft auch neu für die Eltern sind.
Nichtdestotrotz wird von manchen Eltern kritisiert, dass sie die Informationen
gern schon am Ende der Schwangerschaft gehabt hätten. Dem soll zukünftig
entgegen gewirkt werden, in dem das Elternbuch durch Visitenkarten auch schon
vorher bzw. für alle Eltern bekannter gemacht wird. Das Elternbuch kann über
den Besuch hinaus jederzeit als
pdf-Datei online von allen Eltern abgerufen werden https://kinderschutz.landkreis-stendal.de/de/willkommensbesuchsdienst.html
*Das gesamte Willkommensgeschenk des Landkreises umfasst zur Zeit:
wElternbuch –
eine Orientierungshilfe „Willkommen
im Landkreis
Stendal“ mit aktuellen umfassenden
Informationen zu Angeboten im
Landkreis Stendal für Eltern mit kleinen Kindern in den
Bereichen
Gesundheit, Beratung/Begleitung & Hilfen, wirtschaftliche Hilfen,
Angebote des Jugendamtes, Bildung und Freizeit
wBabyentwicklungskalender für 36 Monate
wBadehandtuch „Altmark-Kind“
wNotfallfächer Erste-Hilfe beim Kind
wZimmerthermometer
wDVD für Eltern mit Kindern von null bis zwei- Wie Babys
sich entwickeln
Bei einigen Eltern wurde im Rahmen des
Gespräches deutlich, dass sie sehr belastet sind und einen Unterstützungsbedarf
haben. An diese Familien konnten weiterführende Hilfen, wie zum Beispiel eine
Familienhebamme oder eine Beratung bei der SchreiBabyAmbulanz vermittelt
werden. Vom Krisenbegleiter in der SchreiBabyAmbulanz wissen wir, dass aufgrund
der Empfehlung im Willkommensbesuch, einige Eltern auch tatsächlich das Angebot
der Krisenbegleitung in Anspruch genommen haben. Gleiches gilt für die
Familienhebammen.
Die anderen Willkommensgeschenke werden ebenso
wertgeschätzt. Besonders hervorgehoben werden immer wieder das
„Altmark-Kind-Handtuch“ und der Notfallfächer.
Aus der
fachlichen Sicht des Jugendamtes kann das erste Drittel der Projektlaufzeit
insgesamt als erfolgreich eingeschätzt werden.
Dem steht auch nicht entgegen, dass der
Einbezug der Geburten ehelich geborener Kinder derzeit noch nicht
zufriedenstellend gelöst werden konnte. Übergangsweise wird – um auch diese
Eltern über das Angebot zu informieren -
durch die Elterngeldstelle dem
Elterngeldbescheid ein Flyer zum
Angebot des Willkommensbesuchs beigelegt. Dieser Weg ist jedoch nicht optimal
und insofern nur eine Zwischenlösung.
Es wird weiter daran gearbeitet, das derzeit
noch nicht gelöste Problem der Datenübermittlung der Geburt ehelich geborener
Kinder durch das Geburtsstandesamt einer Lösung zuzuführen.
Derzeit ist die Durchführung der Hausbesuche vorübergehend ausgesetzt, da die Stelleninhaberin sich selbst im Mutterschutz befindet. Das Nachbesetzungsverfahren läuft. Voraussichtlich werden nach Abschluss des Stellenbesetzungsverfahrens die Willkommensbesuche ab März 2018 wieder aufgenommen werden können und das Projekt planmäßig fortgeführt.
