Betreff
1. Zwischenbericht zum Projektverlauf des Hausbesuchsdienstes "Willkommen im Landkreis Stendal" - Bezug: DS 260/2016
Vorlage
469/2018
Aktenzeichen
469/2018
Art
Mitteilungsvorlage

Inhalt der Mitteilung:

Einleitende Bemerkungen

 

Mit Beschluss vom 09.06.2016 (DS 260/2016) hat der Kreistag den Weg für die  Durchführung des Projektes >Hausbesuchsdienst „Willkommen im Landkreis Stendal“< ( im folgenden „Willkommensbesuchsdienst “ genannt)  frei gemacht.

Damit verbunden ist die Vorgabe, dem Jugendhilfeausschuss sowie dem Kreistag in der Projektlaufzeit 2 mal einen Zwischenbericht zu geben.

Zum Projektziel- und Konzept wird auf die DS 260/2016 verwiesen.

Die Laufzeit des Projektes ist im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel  vorerst bis 08/2019 kalkuliert.

Zwischenbericht zum Stand 01.12.2017

 

Die vorgesehene Stelle des Willkommensbesuchsdienstes wurde zum 01.12.2016 besetzt. Die fachliche Qualifikation der Stelleninhaberin ist  Gesundheitskinderkrankenpflegerin mit der Zusatzausausbildung „Familien-,Gesundheitskinderkrankenpflegerin“.

Diese Zusatzausbildung orientiert sich an den Kompetenzprofilen für Familienhebammen und Familiengesundheitspflegerinnen und entspricht den Vorgaben des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen. Auf Basis des Konzeptes des Dienstes  hat sich der Landkreis bewusst dafür entschieden, die Besetzung möglichst mit einem solchen Ausbildungshintergrund vorzunehmen.

Die umfassende  konzeptionelle und sächliche Projektvorbereitung  (Elternbuch, Willkommensgeschenk*) erfolgte bereits seit Kreistagsbeschluss durch die Netzwerkkoordinatorin Frühe Hilfen & Kinderschutz des Jugendamtes, so dass nach einer kurzen inhaltlichen Einarbeitung der Willkommensbesuchsdienst seine Arbeit mit den Hausbesuchen ab Januar 2017 unmittelbar aufnehmen konnte.

Intern wurde entschieden, in das Hausbesuchsangebot die Geburten ab August 2016 einzubeziehen und den Zeitraum August bis November 2016 nachzuarbeiten.

Grundsätzlich wird angestrebt den  Hausbesuch in zeitlicher Nähe  zur Geburt, also etwa in einem Zeitfenster von 6-10 Wochen (+/-) nach der Geburt zu realisieren.

Der Willkommensbesuch ist ein Angebot des Landkreises Stendal an Eltern Neugeborener. Seine Inanspruchnahme durch die Eltern ist und bleibt in jedem Fall freiwillig.

Der Start des Willkommensbesuchsdienstes wurde durch den Landkreis mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit begleitet (Pressegespräch, Internetseite des Landkreises/ bzw. Kinderschutzseite des Landkreises,   Information der Netzwerkpartner in den verschiedenen Hilfesystemen; Möglichkeit für die Presse einen Hausbesuch zu begleiten).

Für den Zeitraum von August 2016 bis September 2017 wurden dem Jugendamt  612 Geburtenmeldungen von den Standesämtern (vornehmlich Stendal) übermittelt. Diese Geburtenmeldungen betreffen ausschließlich unverheiratete Eltern. Hinzu kamen 28 Selbstmeldungen von verheirateten Eltern, die signalisiert haben, das Angebot annehmen zu wollen.

Die Eltern erhalten daraufhin ein Schreiben des Willkommensbesuchsdienstes- verbunden mit einem Terminvorschlag für den Hausbesuch. Sie haben damit auch die Möglichkeit, den Termin abzusagen oder zu verschieben.

Von den 640 angeschriebenen Eltern haben 479 Eltern das Angebot angenommen. 39 Familien haben den Willkommensbesuchsdienst direkt schriftlich per E-Mail oder telefonisch abgesagt.

Damit wurde – bezogenen auf die einbezogenen Eltern – für die ersten 13 Monate Projektlaufzeit eine  Inanspruchnahme von rd. 75 Prozent erreicht. Ausgehend von den dokumentierten Erfahrungen vergleichbarer Projekte  ist dieser Wert für das Startjahr  ein sehr guter Wert. Er lässt erwarten,  dass es grundsätzlich  realistisch erscheint, die konzeptionelle Zielgröße von bis zu 94 % mittelfristig erreichen zu können.

Die restlichen 122 Familien wurden mit dem Angebot nicht erreicht, weil z.B.

·       kurz nach der Geburt verzogen,

·       Krankenhausaufenthalt

·       passiv abgelehnt durch Nichtöffnen der Tür

·       keine Antwort auf weitere Terminvorschläge (z.B. bei E-Mail-Kontakt).

Statistik Willkommensbesuchsdienst, Stand  01.12.2017

Geburtsmeldungen

nach Monaten

angeschriebene

Familien

tatsächlich besuchte

Familien

in Prozent

2016

August

40

34

85,00

September

53

37

69,81

Oktober

52

41

78,85

November

38

26

68,42

Dezember

38

28

73,68

2017

Januar

46

36

78,26

Februar

37

26

70,27

März

59

43

72,88

April

43

33

76,74

Mai

46

33

71,74

Juni

54

45

83,33

Juli

50

38

76,00

August

41

26

63,41

September

43

33

76,74

Summe

640

479

74,84

(Durchschnitt)

Bei den Besuchen sind meistens die Mütter mit ihren Babys anwesend. Väter nehmen eher selten an den Willkommensgesprächen teil. Zu Beginn der Gespräche zeigen sich einige Eltern kurzzeitig distanziert. Nach ca. 15 Minuten ist jedoch oft das „Eis gebrochen“ und Eltern stellen Fragen oder erzählen auch, wie es ihnen geht.

Die Besuche dauern zwischen 30 und 60 Minuten. In den ersten 30 Minuten wird das Willkommensgeschenk vorgestellt. Schwerpunkt wird dabei auf das Elternbuch gelegt. Mit den Eltern wird das Elternbuch Seite für Seite durchgegangen, so dass sie  umfangreiche Informationen bekommen, welche Unterstützungsmöglichkeiten sie im Bedarfsfall nutzen könnten. Das neue Elternbuch, welches seit Beginn des Besuchsdienstes in einem neuen Layout erschienen ist, wird durch die Eltern sehr gelobt. Sie bestätigen, dass viele Informationen aus dem Buch wichtig und oft auch neu für die Eltern sind. Nichtdestotrotz wird von manchen Eltern kritisiert, dass sie die Informationen gern schon am Ende der Schwangerschaft gehabt hätten. Dem soll zukünftig entgegen gewirkt werden, in dem das Elternbuch durch Visitenkarten auch schon vorher bzw. für alle Eltern bekannter gemacht wird. Das Elternbuch kann über den Besuch hinaus  jederzeit als pdf-Datei online von allen Eltern abgerufen werden https://kinderschutz.landkreis-stendal.de/de/willkommensbesuchsdienst.html

*Das gesamte Willkommensgeschenk des Landkreises umfasst zur Zeit:

wFoto Willkommensgeschenk 1.jpgElternbuch – eine Orientierungshilfe „Willkommen im Landkreis  

  Stendal“ mit aktuellen umfassenden Informationen zu Angeboten im  

  Landkreis Stendal  für Eltern mit kleinen Kindern in den Bereichen  

 Gesundheit, Beratung/Begleitung  & Hilfen, wirtschaftliche Hilfen,  

 Angebote des Jugendamtes, Bildung und Freizeit

                                                wBabyentwicklungskalender für 36 Monate

                                                wBadehandtuch „Altmark-Kind“

                                                wNotfallfächer Erste-Hilfe beim Kind

                                                wZimmerthermometer

                                                wDVD für Eltern mit Kindern von null bis zwei- Wie Babys sich entwickeln

Bei einigen Eltern wurde im Rahmen des Gespräches deutlich, dass sie sehr belastet sind und einen Unterstützungsbedarf haben. An diese Familien konnten weiterführende Hilfen, wie zum Beispiel eine Familienhebamme oder eine Beratung bei der SchreiBabyAmbulanz vermittelt werden. Vom Krisenbegleiter in der SchreiBabyAmbulanz wissen wir, dass aufgrund der Empfehlung im Willkommensbesuch, einige Eltern auch tatsächlich das Angebot der Krisenbegleitung in Anspruch genommen haben. Gleiches gilt für die Familienhebammen.

Die anderen Willkommensgeschenke werden ebenso wertgeschätzt. Besonders hervorgehoben werden immer wieder das „Altmark-Kind-Handtuch“ und der Notfallfächer.

Aus der fachlichen Sicht des Jugendamtes kann das erste Drittel der Projektlaufzeit insgesamt als erfolgreich eingeschätzt werden.

Dem steht auch nicht entgegen, dass der Einbezug der Geburten ehelich geborener Kinder derzeit noch nicht zufriedenstellend gelöst werden konnte. Übergangsweise wird – um auch diese Eltern über das Angebot zu informieren -  durch die Elterngeldstelle dem  Elterngeldbescheid  ein Flyer zum Angebot des Willkommensbesuchs beigelegt. Dieser Weg ist jedoch nicht optimal und insofern nur eine Zwischenlösung.

Es wird weiter daran gearbeitet, das derzeit noch nicht gelöste Problem der Datenübermittlung der Geburt ehelich geborener Kinder durch das Geburtsstandesamt einer Lösung zuzuführen.

Derzeit ist die Durchführung der Hausbesuche vorübergehend ausgesetzt, da die Stelleninhaberin sich selbst im Mutterschutz befindet.  Das Nachbesetzungsverfahren läuft. Voraussichtlich werden nach Abschluss des Stellenbesetzungsverfahrens  die  Willkommensbesuche  ab März 2018  wieder aufgenommen werden können und das Projekt planmäßig fortgeführt.